Totes Meer - Geographie
Im Prinzip ist es inzwischen falsch vom Toten Meer als solchem zu sprechen, da dies voraussetzen würde, dass es sich um ein einziges Gewässer handelt. Durch den stark abnehmenden Wasserspiegel und die kontinuierliche Versalzung, ist das Tote Meer aber im Begriff zu verschwinden. Schon heute existieren auf dem Gebiet, das einst auf den Karten als Totes Meer vermerkt war, zwei große Gewässer. Das nördliche ist das tiefere und größere, welches auch heute noch als Totes Meer gilt, während das Gewässer im Süden gerade einmal wenige Meter flach ist und ohne den Bewässerungskanal, der es vom nördlichen Gewässer aus mit Wasser versorgt, längst ausgetrocknet wäre.
Die Entstehung des Toten Meeres geht auf plattentektonische Aktivitäten zurück, die den ostafrikanischen Grabenbruch prägen. So bewegen sich die asiatische und die afrikanische Platte am Toten Meer und entlang des gesamten Jordanbeckens. Dabei schieben sie sich pro Jahr vier Millimeter in die entgegengesetzte Richtung, weshalb die Region auch immer wieder von Erdbeben heimgesucht wird. Ursprünglich war die Gegend von einem Ozean bedeckt. Durch Aktivitäten im Erdinneren kam es zu Hebungen, die das heutige Festland zum Vorschein brachten und die natürlichen Voraussetzungen für die tiefe Senke schafften. Im Laufe der Zeit entstanden an der Stelle des Toten Meeres verschiedene Seen, die in ihrer Größe weitaus größer waren, aber immer wieder verschwanden. Die Reste des Sees Lisan, welcher der letzte dieser großen Seen war, bildeten schließlich das Tote Meer.
Das Tote Meer ist ein Binnengewässer, das über keinerlei Abfluss verfügt. Es hat lediglich Zuflüsse, von denen der Jordan den größten darstellt. Aufgrund der Wasserknappheit im Nahen Osten wird dem Jordan das meiste Wasser entnommen, bevor er das Tote Meer erreicht. Die Folge ist, dass das Gewässer, welches permanent verdunstet, nicht genügend neues Wasser erhält, um seinen Wasserspiegel zu halten. Somit nimmt der Salzgehalt im Toten Meer zu und seine Größe als auch sein Wasserspiegel nehmen ab.
Da das Tote Meer für die Tourismusindustrie der Anrainerstaaten wichtig ist und daneben auch als Brut- und Rastplatz vieler Wandervögel fungiert, gibt es verschiedene Pläne zur Rettung des Toten Meeres, die allerdings durch die politische Situation in der Region behindert werden. Die am meisten diskutierte Variante ist eine künstliche Wasserversorgung, die Wasser vom Roten Meer ins Tote Meer pumpen soll. Das Vorhaben hat Vorteile, aber auch erhebliche Nachteile und könnte die ökologische Situation sogar noch verschlimmern.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass man die Zeit nutzen sollte, dem Toten Meer einen Besuch abzustatten, solange dies noch möglich ist. Da der Meeresspiegel pro Jahr um einen Meter sinkt, könnte das Tote Meer in 50 Jahren verschwunden sein.


